2Jun/103

Sultan al-’Ulama Izz ibn ‘Abdussalam über die Interpretation von “Yad” [w:Hand]

Frage: Was ist mit der Aussage des Propheten sallallahu 'alayhi wa sallam gemeint: „Das Herz des Gläubigen befindet sich zwischen den zwei "Fingern" des Barmherzigen, er dreht es wie er will.“ Verstößt jemand gegen seine Pflicht, wenn er sagt: „Ich sage nichts über diese Verse oder Ahadith bezüglich den Attributen. Vielmehr halte ich mich an den Glauben, den die frommen Salaf hatten. Über sie zu reden ist Erneuerung (Bid’a) und ich lasse sie mit ihrer äußeren Bedeutung.“, oder ist deren Interpretation notwendig?Antwort: Die Aussage des Propheten: „Das Herz des Gläubigen befindet sich zwischen den zwei "Fingern" des Barmherzigen, er dreht es wie er will.“, bedeutet, dass Allah darüber wacht mit seiner Macht und Bestimmung, ob er es zum Glauben oder Unglauben dreht, oder zum Gehorsam oder zum Ungehorsam und auch andersherum.

Es ist gleich zu seiner Aussage: „In dessen Hand die Herrschaft (über die ganze Welt) liegt. Er hat zu allem die Macht. Segensreich ist Der, in Dessen Hand die Herrschaft ruht; und Er hat Macht über alle Dinge“ (67:1) und: „O Prophet, sprich zu den (Kriegs-) Gefangenen, die in euren Händen sind: „Erkennt Allah Gutes in euren Herzen, dann wird Er euch (etwas) Besseres geben als das, was euch genommen wurde, und wird euch vergeben. Denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig.“(8:70) Daraus verstehen wir, dass die Gefangenen nicht in der physikalischen Hand der Muslime waren, sondern ihnen unterworfen waren und besiegt waren von ihnen. Das gleiche gilt auch für die Aussage: „Folgende Sache ist in der Hand von so oder so.“, oder: „Folgende Tiere befinden sich in dem und dem seiner Hand.“ Daraus verstehen wir, dass sie unter seiner Kontrolle (istila’) und seiner Verfügung  sind und nicht in seiner physikalischen Hand. Das Gleiche trifft auf folgenden Vers zu: „oder der, in dessen Hand der Ehebund ist, erlässt es.“ (2:237) Der Ehebund ist nicht in der physikalischen Hand, dies ist nur eine Aussage über seine Ermächtigung darüber und über die Möglichkeit, sich von dieser Sache zu entfernen.

Zu demjenigen, der sagt: „Ich glaube an diese Themen, wie die Salaf daran glaubten.“, er ist ein Lügner. Wie glaubt er an etwas, worüber er nicht den blassesten Schimmer hat und  deren Bedeutung er nicht kennt?

Weder ist das Reden über ihre Bedeutung eine tadelnswerte Erneuerung, sondern vielmehr eine obligatorische exzellente Erneuerung (Bid'a Hasana wadschiba), wann auch immer zweifelhaftes zum Vorschein kommt. Der einzige Grund, warum die Salaf sich davor zurückgehalten haben, ist, weil nämlich niemand die Worte Allahs und seines Propheten auf eine Art auslegte, die falsch ist. Hätte so etwas damals in ihrer Zeit sich gezeigt, dann hätten sie dies als eine Lüge gekennzeichnet und es strengstens widerlegt! So haben die Gefährten und die Salaf die Qadariyya geleugnet, als sie ihre Erneuerung hervorbrachten - doch davor haben sie solche Angelegenheiten auch nie besprochen. Auch antworteten sie nicht einzelnen Personen, die dies erwähnten. Auch haben die Gefährten solches nicht vom Propheten überliefert, da nämlich solches damals gar nicht gebraucht wurde. Und Allah weiß es am besten.“ [Al-`Izz ibn `Abd al-Salâm, Fatâwâ (S. 55-57) und al-Fatâwâ al-Mawsiliyya (S. 45-47)]

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. masha`Allah

    ein GenieStreich!

  2. Assalamu aleikum, ich habe zwei Fragen insha’Allah:

    Warum meint Abu Hanifa rahimahullah, dass mit der Hand nicht Macht gemeint war, wie es die Mu’tazila sagen? Hier wird dem Imam aber widersprochen…?

    Wieso beharrten die Salaf us Salihin darauf, dass man die Qur’an-Verse niemals interpretiert?

    Ich bin kein Wahabi, aber ich brauche die Antworten darauf, weil ich bei einer Debatte gegen Wahabiten genau bei diesen Punkten nicht mehr weiter weiss.

    Assalamu aleikum

  3. wa ‘alaykum salam,

    Geehrter Bruder, hier der Auszug aus dem Buch al-Fiqh al-Akbar, übersetzt von Abu Bilal al-Maliki und in vielen Shops erhältlich:
    “ER hat ein Yad und Wadschh und Nafs wie ER im Koran erwähnt hat . Was ALLAH im Koran erwähnt hat, und zwar die Yad, der Wadschh und die Nafs sind Attribute von Ihm ohne ein „Wie“ zu haben. Man sagt nicht: Seine Yad ist seine Macht oder seine Gabe, denn das wäre eine Verleugnung des Attributs. Das ist die Aussage der Leute von Qadar und Mu‘tazilla. Sondern seine Yad ist ein Attribut von ihm ohne ein „Wie“ zu haben.”

    Kommentare: Denn das ‚Wie‘ ist eine Eigenschaft der Geschöpfe.
    Hier lehnt Imam Abu Hanifa den Ta’wil (die Interpretation) dieser Eigenschaften, wie die Mu’tazilla es verstanden haben, ab. Es ist keine totale Ablehnung von Ta’wil. Die Mu’tazilla waren der Meinung, dass ‚Yad‘ z.B. ausschließlich nur Macht oder Gabe heißen kann, da sie, wie schon erklärt, ALLAHs Wesen keine Eigenschaften zuschreiben. Imam Abu Hanifa vertritt die Methode der Salaf as-Salihin gegenüber solchen problematischen Begriffen. Die Salaf waren der Meinung, man soll die wortwörtliche Bedeutung, welche zur Vermenschlichung ALLAHs führen kann, negieren und die Bedeutung des Begriffes ALLAH überlassen. Diese Methode wird Tafwid genannt. Imam Abu Hanifa sagt: Die ‚Yad‘ ALLAHs ist nicht wie die Hände der Geschöpfe, sie ist kein Körperglied. Vielmehr ist ER der Schöpfer der Hände. (Imam Abu Hanifa, Al-Fiqh al-Absat 2004, 613). Die späteren Gelehrten haben mehr Ta’wil benutzt, da es in ihrer Zeit Sekten gab, die diese Begriffe wortwörtlich verstanden haben. Damit sie die Aqida der einfachen Muslime beschützen, haben sie diese Wörter je nach Zusammenhang detaillierter erklärt. Der Unterschied zwischen den späteren Gelehrten der Ahlu Sunnah und den Gelehrten der Mu’tazilla, die Imam Abu Hanifa in Fiqh al-Akbar erwähnte, besteht darin, dass erstens die Ahlu Sunnah nicht immer ‚Yad‘ mit Macht oder Gabe erklären, zweitens, sie negieren nicht die Eigenschaft wie die Mu’tazilla. Sie leugnen nicht, dass eine Eigenschaft, die ‚Yad‘ heißt und deren Wahrheit uns unbekannt ist, existiert.

    Auch rate ich dir diesen Artikel durchzulesen:
    http://www.ahlu-sunnah.de/artikel/aqida-glaubenslehre/248-salafis-fiqh-al-akbar-und-die-wahrheit


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