4Apr/101

Der Naqschibandi Mythos -V-

Punkt 3: Der Naqschibandi Glaube: Gewisse Leute können eine Rang erreichen, der höher ist als der der Propheten und ihrer Gefährten.

Auf der ersten Seite des Buches ‚Der Naqschibandi Weg' steht: „Unser Meister, der Schaich, sagt, dass eine Person, die es schafft, in unserer Zeit nach diesen Prinzipien zu handeln, das erreichen wird, was frühere Generationen nicht erreichten... derjenige, der eine erhobene Stufe und einen großartigen Rang erreicht, so einen, welchen die Propheten selbst und ihre Gefährten nicht erreichen konnten."

Auf Seite vier des Buches ‚Der Naqschibandi Weg' steht: „Besonders diejenigen, die sich an der Sunnah des Propheten halten, werden besondere Stationen erreichen, die den früheren Leuten nicht offen waren - nicht einmal den Gefährten des Propheten."

Es muss erneut betont werden, dass die Naqschibandis keine eigenständige 'Aqidah oder Fiqh Schule sind. Sollten diese Aussagen tatsächlich so drin stehen und wortwörtlich so gemeint sein - was wir stark bezweifel -  dann sind sie zu verwerfen, unabhängig davon, wer sie gesprochen hat.

Die Naqschibandiyya folgen strikt der 'Aqidah der Ahlu Sunnah wal Dschama'a und nichts anderem. Die Worte des obigen Buches binden die Naqschibandiyya nicht, sondern nur die Worte der früheren Großen, welche zu den von allen Seiten anerkannten gehören.

So wie Imam Rabbani es in seinem 100. Brief, Band 1 in Maktubat sagt:

„...Ob derjenige, der es sagt, nun der Scheich 'Abd al-Kabir aus Jemen oder der Scheich al-Akbar (Muhyi al-Din ibn 'Arabi) aus Scham ist [...]Wir haben es nicht nötig den Worten Muhyi al-Din ibn 'Arabis, Sadruddin al-Qunawis und 'Abd al-Razzaq Kaschis zu folgen, sondern (wir haben es nötig) einzig und allein Muhammad al-'Arabis sallallahu 'alayhi wa sallam Wörtern zu folgen.

Wir krallen uns an Nusus [Qur'an und Sunnah], nicht an Fusus [al-Hikam, Werk des Muhyi al-Din ibn 'Arabis.] Futuhat al-Madaniyyah [die Offenbarungen Madinas] erklärten uns frei von Futuhat al-Makkiyah [Werk des Ibn 'Arabi] ..."

Auch wenn das Thema dieses Briefes nicht zu dem Thema hier passt, so verdeutlicht doch diese Aussage die Verbundenheit der Naqschibandiyya mit dem Qur'an und der Sunnah und zeigt auf, dass wir die Aussage keiner Person akzeptieren, wenn sie nicht mit der 'Aqidah der Ahlu Sunnah wal Dschama'a übereinstimmen.

So sagt der große Imam Rabbani an einer anderen Stelle:

„Wisse: Die stabile 'Aqidah welche die Gelehrten der Ahlu Sunnah wal Dschama'a aus dem Qur'an, der Sunnah und den Werken der Salaf hervorholten, ist das notwendigste was der Reisende auf seinem Weg benötigt. Es ist unausweichlich dem Verständnis von Ahl al-Haqq - das heißt der Ahlu Sunnah -  in der Deutung des Qur'ans und der Sunnah wiederum mit dem Qur'an und der Sunnah zu folgen und sie gemäß dieser zu deuten. Wenn z.B. durch spirituelle Entschleierung [al-kaschf] und Inspiration [ilham] etwas diesen Bedeutungen widerspricht, dann darf man darauf kein Acht geben und Zuflucht bei Allah ta'ala davor suchen." [Band 1/Brief 286]

Nun zum eigentlichen Thema: Auch hier werden wir Imam Rabbani, der unangefochtenen Autorität der Naqschibandiyya zitieren und widerlegen, was in diesem Buch steht:

„...Keiner, der einem Propheten Gefolgschaft leistet - auch wenn er dem höchsten Propheten folgt - kann auch nur eine einzige Stufe des niedrigsten Propheten erreichen. Aufgrund dessen ist der Kopf des höchsten Menschen nach den Propheten, Abu Bakr al-Siddiq radiyallahu 'anh, immer unter den Füßen des niedrigsten Propheten..." [Band 1/Brief 248]

„...die Stufe, welche die Gefährten des Propheten bei der ersten Unterhaltung [suhba] erreichten, ist eine Stufe, von der die anderen 'Awliya - die auf die letzten Stufen kamen -  nur einen Hauch bekommen. Deswegen ist der Mörder Sayyiduna Hamzas radiyallahu 'anh, Wahschi radiyallahu 'anh, höher als der Beste der Tabi'in, Uways al-Karani radiyallahu 'anh..." [Band 1/Brief 66]

Daraus geht nun klar hervor, dass die Naqschibandiyya fern von diesen Beschuldigungen sind und die Worte einer jeden Person nur sich selbst bindet, weswegen die Aussagen aus dem obigen Buch keine Beweiskraft bilden und sogar wenn, nicht in Anbetracht der Worte einer der größten Naqschibandis Imam Rabbani Ahmad Faruq nicht standhalten können.

Auf Nachfrage bei dem geehrten Bruder 'Abd al-Hafidh Wentzel bezüglich diesem Zitat, was wiederum aus einem Buch der Tariqah des Scheich Nazim entnommen wurde [wie alle Zitate aus dem Artikel], antwortete er wie folgt:

„Deine aktuelle Frage bezieht sich auf den Punkt 3 in dem Machwerk der Pseudo-Salafis, wo es heißt: „Der islamische Glaube: Niemand kann den Rang der Propheten oder ihrer Gefährten erlangen ..."

Das erste Problem ist die Definition von „Rang", die schlauerweise im Dunkeln bleibt, um demjenigen, den man kritisiert, etwas unterzuschieben, was er nicht gesagt oder gemeint hat.

1.  Die Naqschibandis im Allgemeinen, und Scheikh 'Abdullah und Scheikh Nazim im Speziellen, sind Ahlu Sunnah in ihrer 'Aqida - zum überwiegenden Teil Maturidis - und vertreten als solche, wie aus zahllosen ihrer Äußerungen hervorgeht, die Position, dass der Prophet Muhammad - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - der Beste aller Geschöpfe ist und dass seine Gefährten - möge Allah mit ihnen zufrieden sein - die Vorzüglichsten dieser Umma sind, allen voran Abu Bakr, 'Umar, 'Uthman und 'Ali sowie die Restlichen derjenigen, denen zu Lebzeiten das Paradies verkündet wurde.

2. Die Erwiderung auf die falsche Behauptung, die Naqschibandis folgten einer anderen 'Aqida findet sich in den Worten des Propheten - sallallahu 'alayhi wa sallam. Bei den hier in falschem Zusammenhang (nämlich so, als handele es sich um 'Aqida-Grundsätze) zitierten Aussagen der Scheikhs handelt es sich nämlich um nichts anderes als die Wiedergabe des Inhalts allgemein bekannter Aussagen des Gesandten Allahs - Segen und Friede seien auf ihm - von denen ich Dir hier einige als Beispiele geben möchte.

3. Diese Aussagen gehören in die Bereiche Fada'il al-'Amal und/oder Prophezeiungen über die Endzeit etc. und sind sicher nicht als einschränkende oder im Widerspruch stehende Aussagen zur 'Aqida, speziell zur Vorzüglichkeit des/der Propheten und seiner Gefährten - Allah segne ihn und sie und schenke ihnen allen Frieden -, zu verstehen:

ʿAbd Allāh ibn ʿUmar - möge Allāh mit ihnen beiden zufrieden sein - berichtete, dass Allāhs Gesandter - Segen und Friede seien auf ihm - sagte: „Wahrlich, unter den Dienern Allāhs gibt es jene, die weder Propheten noch Märtyrer sind, und doch werden die Märtyrer und Propheten sie am Tag der Auferstehung wegen ihrer Nähe zu Allāh, dem Erhabenen, und ihrer Stellung bei Ihm beneiden." Da fiel ein Wüstenaraber auf die Knie und sagte: „O Gesandter Allāhs, beschreibe sie uns und ihre Eigenschaften!" Er sagte: „Es sind Leute, die sich von den anderen Menschen auszeichnen, einige wenige Auserwählte, die sich von ihren Stämmen unterscheiden, die um Allāhs willen wahrhaftige Freunde sind und einander nur um Seinetwillen lieben. Allāh, der in Majestät Erhabene, wird ihnen am Tag der Auferstehung Podeste von Licht errichten; und wenn die Menschen von Furcht überwältigt sind, werden sie sich nicht fürchten. Sie sind die vertrauten Freunde Allāhs, des in Majestät Erhabenen, {keine Furcht wird sie überkommen, noch werden sie traurig sein}."

Überliefert in al-Ḥakims Mustadrak - und er erklärte die Überliefererkette dieses Berichts für zweifelsfrei zuverlässig [aī] -, sowie mit anderer Überliefererkette in Musnad Amad. Die letzten Worte entstammen einem Qur'ānvers, in dem es heißt: {Fürwahr, die vertrauten Freunde Allāhs [auliyā' Allāh] wird keine Furcht überkommen, noch werden sie traurig sein.}  (Qur'ān, 10:62)

Von Abū Hurayra - möge Allāh mit ihm zufrieden sein - wird überliefert, der Prophet - Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden - habe gesagt: „Wer meine Sunna wiederbelebt, wenn meine Gemeinschaft verderbt ist, dem wird der Lohn eines Märtyrers zuteil!" In einer anderen Version heißt es: „Wer an meiner Sunna festhält, wenn meine Gemeinschaft verderbt ist, dem wird der Lohn von einhundert Märtyrern zuteil!"

Überliefert in al-Bayhaqīs Zuhd al-Kabīr, von Ibn ʿAdī in al-Kāmil und Abū al-Qāsim ibn Bischrān in seinem Amālī, und zitiert von Abū Nuʿaym in ilyat al-Auliyā'; außerdem von al-Suyūṭī in Miftā al-Janna, al-Mundhirī in al-Targhīb wa l-Tarhīb und al-Qāsimī in Qawā'id al-Tadīth. In einer weiteren Version heißt es „siebzig Märtyrer"; und die Überliefererketten beider Versionen gelten als schwach [aʿīf].

Al-Tirmidhī überliefert von Abū Umayya al-Schaʿbānī, dass dieser sagte: „Ich kam zu Abū Thaʿlaba al-Khuschanī und fragte ihn: ‚Was fängst du mit diesem Qur'ānvers an?' Er sagte: ‚Welchen Vers meinst du?', und ich antwortete: ‚Die Worte des Erhabenen: {O ihr, die ihr glaubt, kümmert euch um euch selbst! Euch wird nicht schaden, wer irregeht, wenn ihr selbst rechtgeleitet seid!}' Da sagte er: ‚In der Tat hast du denjenigen danach gefragt, der es genau weiß! Denn ich habe den Gesandten Allahs - Segen und Friede seien auf ihm - danach gefragt, worauf er sagte: ‚Ihr werdet solange das Gute gebieten und das Schlechte verwehren, bis du sehen kannst, wie der Habsucht gehorcht und eitlen Wünschen gefolgt wird, und das Diesseits [al-dunya] alles bestimmt, und jeder Besitzer einer Meinung sich etwas auf seine Meinung einbildet. Dann kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten und halte dich fern von den gewöhnlichen Leuten, denn wahrlich, euch stehen Tage bevor, in denen eine Standhaftigkeit notwendig ist, als müsste man glühende Kohlen festhalten; und demjenigen, der in jenen Tagen (rechtschaffen) handelt, wird der Lohn von fünfzig Männern zuteil, die so handeln wie ihr!' ' "

ʿAbd Allah ibn al-Mubārak fügte hinzu, dass ihm berichtet wurde: „Es wurde gefragt: ‚O Gesandter Allahs, fünfzig Männer von uns (d.h. von den Prophetengefährten) oder von ihnen?', und der Prophet - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - sagte: ‚Nein, der Lohn von fünfzig von euch!' "

Überliefert in Sunan al-Tirmidhī und mit geringen Abweichungen im Wortlaut in Sunan Abī Dāwūd und Sunan Ibn Mājah, sowie in al-Ḥākims Mustadrak und al-Bayhaqīs Schuʿab al-Īmān; und Imām al-Tirmidhī erklärte: „Dies ist ein authentischer, nur auf einem Überlieferungsweg überlieferter Bericht [hadhā adīth asan gharīb]."

Diese Berichte und noch einige weitere finden sich in  "Über die Zeichen der Endzeit" auf S. 114 ff." [Ende der Worte 'Abd al-Hafidhs hafizahullah]

Wo anders fand ich folgende Information: „Der zitierte Text befindet sich auf Seite 14 der normalen Ausgabe des Buches „The Naqshbandi Way: A Guidebook for Spiritual Progress". Was die Angreifer nicht erwähnen ist, dass genau bei dieser Passage eine Fußnote ist, welche über ganze vier Seiten in kleiner Schrift geht und diese Aussage ausführlich erklärt! Sogar ein Kind, das diese Erklärung liest, würde den Unterschied zwischen der Aussage im Buch und der Behauptung der Angreifer verstehen.

Das einzige Ziel derer, die dies zitierten, ist Fitna und Unterstellung." [Salafis Unveiled - Hischam Kabbani]

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  1. Baraka allahu fikum


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