Verlasst die Madhab, wenn der Hadith Sahih ist

Zweifel: Die Imame der Madhahib sagten: “Wenn der Hadith authentisch ist, dann ist dies meine Madhab.” Wenn wir also einen Hadith in al-Bukhari und Muslim finden, der unserer Madhab widerspricht, dann handeln wir gemäß diesem Hadith und lassen die Urteile unserer Madhab.

Antwort: Dies ist eine oftmals benutzte Aussage, welche von vielen falsch zitiert und missverstanden wird. Alle Imame der Madhahib sagten, wenn ihre Ansicht in Konflikt geräte mit einem Hadith, dann solle man dem Hadith folgen und ihre Ansicht solle man verlassen. Letzendlich jedoch sprachen sie zu ihren Studenten, welche selber Gelehrte waren, und nicht zu dem normalen Volk auf der Straße und definitiv nicht zu Jugendlichen im Westen, wie 1200 Jahre später kommen und nicht das geringste Verständnis haben von den schari’ Wissenschaften. Sehe wie ihre Aussagen von den großen Gelehrten der Vergangenheit verstanden wurden:

Nicht für das gewöhnliche Volk: Ibn ‘Abidin sagt in seinem ‘al-Haschiyah’ (1/68):

“Dies ist ebenfalls von den vier Imamen überliefert wurden durch Imam al-Scha’rani. Und es ist nicht versteckt/unklar, dass damit jene gemeint sind, die qualifiziert sind für die analyse der Beweise und die Wissen haben über das Eindeutige [muhkam] von den Aufgehobenen [mansukh]. Wenn also die Gelehrten/Leute einer Madhab einen Beweis analysieren und demnach handeln: dann ist es richtig, dies der Madhab zuzuschreiben, denn es wurde weiter verbreitet durch die Erlaubnis des Gründers der Madhab und es gibt keinen Zweifel darüber, dass wenn er von der Schwäche seines Beweises gewusst hätte, er sich davor zurück gehalten hätte und dem stärkeren Beweis gefolgt wäre.”

Ibn ‘Abidin macht ganz klar, dass dies die Aufgabe der Gelehrten ist und nicht die des normalen Volkes.

Illusion: Scheich ‘Abdulghaffar Uyun al-Sud kopierte die Bedingungen, welche Ibn ‘Abidin festlegte für das Folgen eines Hadith und dem verlassen der Madhab in seinem Werk: ‘Daf al-Awham’ s.15 und sagte:

“Es ist eine gute Festsetzung, denn wir sehen heute in unserer Zeit jene, die von sich selbst gettäuscht sind und denken, sie hätten was mit Wissen zutung und sie wären über den Sternen, obwohl sie am niedrigsten Stand sind und diese lesen dann vielleicht ein Buch von den sechs Büchern - nur als Beispiel - und dort sehen sie einen Hadith, welcher der Madhab des Abu Hanifa widerspricht. Dann sagt er: “Verlasst die Madhab von Abu Hanifa… und nimmt den Hadith des Gesandten Allahs sallallahu ‘alayhi wa sallam“, obwohl dieser Hadith vielleicht aufgehoben wurde oder im Widerspruch zu einem stärkeren Hadith in Sachen Sanad [Überlieferungskette] steht, oder es ist eines derer, die keine Handlung mit ihr notwendig machen und diese Person hat kein Wissen darüber. Denn wäre es für diese Leute gestattet mit diesem Hadith unbeschränkt zu handeln, wären sie irregeleitet in vielen Gesetzen und würden jene irreleiten, welche kommen und ihnen Fragen stellen.”

Wie der Scheich sagte, wieviele dieser getäuschten Menschen existieren in unserer Zeit? Jene, die behaupten Ahnung über die Hanafi Madhab zu haben, während sie unbewusst sind über die meisten grundlegenden Quellen dieser Schule, haben auch kaum eine Ahnung wo sie für die Beweise ihrer Urteile nachsehen sollen. Und unsere Klage ist bei Allah!

Schwierigkeit im Erreichen: Imam Ibn al-Salah sagte in ‘Adab al-Mufti wal Mustafti’ s.118:

“„Es ist keine oberflächliche Angelegenheit gemäß der scheinbaren Bedeutung von dem, was Imam al-Schafi sagte, zu agieren. Aufgrund dessen, ist es nicht für jeden Faqih und erst Recht nicht für einen Laien (ammi) erlaubt, selbstständig mit dem, was er  als Beweise aus den Ahadith entnimmt, zu agieren…”

Und Imam Taqi al-Subki hat eine Abhandlung genannt: ‘Ma’ana Qawl Imam al-Muttalibi’  über dieses ganze Thema  bezüglich dem Folgen des HadithMadhab, in der er am Anfang die Worte von Imam Ibn Salah und Imam al-Nawawi : (s.102) niederschreibt und sagt: und dem Folgen der

“Dies ist eine Klarstellung der Schwierigkeit dieses Ranges und dass nicht ein jeder damit gettäuscht werden solle.”

Bemerke wie Imam al-Subki klar macht, wie schwer es ist den Rang und die Position zu erreichen, inder du fähig wirst gemäß dieser Aussage der Gründer der Madhab zu handeln. Er sagt auch, dass jemand nicht getäuscht werden sollte durch Arroganz und ihrem denken, dass sie qualifiziert sind für diese Ränge und die Madhab lassen können und dem Hadith folgen können.

[Dies hier ist immernoch ein Rohentwurf, der eine Nachkontrolle nötig hat. Es ist entnommen aus 'Athar al-Hadith al-Scharif' von Scheich Muhammad Awwama und das Original beinhaltet weitaus detailliertere Eröterungen mit Beispielen.  Es wird gehofft, dass die ausgewählten Auszüge ausreichende Klarheit schaffen werden für jene, die bezüglich dieser Thematik einige Zweifel in sich finden.]

Jetzt abgesehen von Athar al-Hadith al-Scharif von Scheich Muhammad Awwama, spielt auch die Aussage von Imam Nawawi eine große Rolle im Verständnis dieser Aussage:

“Was Imam al-Shafi’i sagte, bedeutet nicht, dass jedermann, der eine Sahih Hadith sieht: „Dies ist die Madhab von al-Shafi”, sagen sollte, also das Anwenden der rein äußerlichen oder scheinbaren Bedeutung von seiner Aussage. Mit dem was er sagte, wendete er sich ganz gewiss nur an solche Personen, die den Rang von Idschtihad in der Madhab haben. Es ist eine Voraussetzung für solch eine Person, dass er entschlossen überzeugt ist, dass entweder Imam al-Schafi’i unwissend bezüglich dieser Ahadith oder unwissend bezüglich derer Authentizität war. Und dies ist nur möglich, wenn man alle Bücher al-Schafi’is und ähnlichen Bücher seiner Anhänger - von jenen, die ihr Wissen und ähnliches von ihm angesammelt haben - geforscht hat. Dies ist Tatsächlich eine schwierig realisierbare Bedingung. Wenige unserer Zeit sind diesen Richtmaß gewachsen.

Das, was wir erklärt haben, ist bedingt gemacht worden, weil Imam al-Schafi’ das Handeln  rein auf die äußerliche Bedeutung von vielen Hadithen die er erklärte und wusste, verlassen hatte. Aber er bestand auf Beweise für die Beurteilung der Ahadith in ihrer Außerkraftsetzung oder für bestimmte Umstände und in ihren Auslegungen.

[Nawawî, al-Madschm‘ Sharh al-Muhadhdhab (1:64) - erwähnenswert ist, daran erinnere ich mich noch wie als wäre es gestern, dass einer der gebildeteren Salafis sich damals beschwerte, dass dieses Zitat gar nicht von al-Nawawi ist und es eine Lüge ist und er habe das Buch von vorne und hinten durchgelesen, aus dem wir es zitieren und er habe es nicht gefunden. Nun, nach ganz kurzer Recherche mit einem Freund fanden wir das Zitat: http://feqh.al-islam.com/Display.asp?Mode=0&MaksamID=2&DocID=24&ParagraphID=98&Diacratic=0]

Dies steht ebenfalls in I’laaus Sunnan von Muhaddith Zafar Ahmad Osmani (Rahmatullahi ‘alayh):

“Imam Scha’rani hat dies auch geschildert (s.o. die Äußerung „Wenn die Authentizität einer Hadith Sahih ist, dann ist dies meine Madhab.”), bezogen auf die vier Imame. Es ist nicht verborgen (vom Verständnis), dass dies für diejenigen gilt, welche die Fähigkeiten( Verständnis und Qualifikation) in den Nusoos und die Kenntnis von den klaren Gesetzen und ihrer Außerkraftsetzung besitzen.” (Band 2, Seite 226)

Scheich Yusuf Isma’il al-Nabhani sagte in der Erörterung dieser Äußerung in seiner Abhandlung:

„Wahrlich diese Aussage: „Wenn die Authentizität einer Hadith Sahih ist, dann ist dies meine Madhab”, ist von jedem der vier Imame getroffen, welche frei von ihren persönlichen Meinungen waren. Die Audienz an dem diese Äußerung (Wenn die Authentizität einer Hadith Sahih ist, dann ist dies meine Madhab) gerichtet war, sind nur an ihre Ashab (die Fuqaha dieser Madhab), welche führende und ausgezeichnete Aimmah, die vollständig befähigt in den rationalen und narrationalen Wissenschaften (der Din) waren, sind. Diese Äußerung ist an jene großen ‘Ulama gerichtet, welche nach diesen ausgezeichneten Aimmah unter ihrer Madhab kamen, jene die Ahlul Tardschih (jene, welche die Beweise untersuchen können) waren. Alle zusammen, welche die Hafizin der Ahadith von Rasulullah (Sallallahu ‘alayhi wasallam) waren, waren sich über die Dalail (Beweisen) der Madhab vollständig bewusst…….Dies sind diejenigen, an welche die Imame (der Madhab) ihre Äußerungen gerichtet haben: „Wenn die Hadith Sahih ist, so ist es meine Madhab).”….Wahrlich, sie (die großen Fuqaha) sind imstande zwischen den Ahadith, von dem der Imam die Beweise abgeleitet hatte und die (neueste) Hadith, welches nach dem Imam als Authentisch anerkannt wurde in Einklang zu bringen. Sie (die ausgezeichneten Fuqaha) können sehen welches von den zwei Hadithen eher Authentisch, stark ist und welches von den beiden Ahadith der neuere ist, so dass der neuere die frühere Hadith aufhebt (Nasikh). (Hudschatul ‘alal ‘Alamin)

Inschallah setzen wir diese Reihe fort.

Autor: Revan
Datum: Freitag, 5. Februar 2010 14:17
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10 Kommentare

  1. 1

    Assalamu alaikum

    Also nach dem Text “Verlasst den Madhab, nach Sahih Hadith ………….
    Du sagst, dass nur Gelehrte damit gemeint sind. OK, aber warum nimmt ihr dann nicht von den Gelehrten die eben dies erkennen und unterscheiden können ??? Das sind alles Unterstellungen was ihr da veröffentlicht. “Hier im Westen die Jugendlichen………..” Was soll das denn ? Wie könnt ihr denn einem Konvertiten erzählen, dass der eine die Hände beim Gebet so halten darf und der andere nicht !” Der findet doch das Ganz lächerlich. Ihr beharrt so stark auf diese Madhabs, dass ihr das eigentlich Ziel und den eigentlichen Sinn des Islams komplett vernachlässigt. Natürlich kommt ihr dann mit dem Gelaber: Ihr folt ibn Teymiye, Al-Albani usw. Waren denn das nicht Gelehrte ? Wenn du behauptest, dass die Gelerhten dies unterscheiden können, ja warum nimmt ihr denn dann nicht von den Gelehrten ? Möge Allah uns alle vereinen. Dieses Gelaber von Madhabs dient nur einer Sache. Nämlich um die Muslime zu zerstreuen. BarakAllahu fik

    Salaam

  2. 2

    Wa ‘alaykum salam,

    Geehrter Bruder im Islam,
    Nicht wir sagen, dass damit nur Gelehrte gemeint sind, sondern beim aufmerksamen lesen des Eintrages wird man sehen, dass dies die Meinung der großen Gelehrten ist. Wer sagt, dass wir dies nicht von Gelehrten nehmen, die dies unterschieden und erkennen können? Haben wir gesagt, dass wir diese Gelehrten meiden oder das wir sie verachten? Dem aufmerksamen Leser - und ich bezweifel nicht, dass du das bist - wird nicht entgehen, dass wir dergleichen niemals behauptet haben oder auch nur ansatzweise erwähnt haben.

    “Hier im Westen die Jugendlichen…” Was soll das denn

    , fragst du uns. Nun, die Jugendlichen hier im Westen haben es nun einmal an sich, Ahadith zu zitieren und dann zu sagen: “Schau, der Hadith widerspricht doch deiner Madhab, wieso folgst du nicht Rasulullah sondern Abu Hanifa?”, und jeder wird bestätigen können, dass es heute leider unter unwissenden Jugendlichen weit verbreitet ist.

    “Wie könnt ihr denn einem Konvertiten erzählen, dass der eine die Hände beim Gebet so halten darf und der andere nicht! Der findet doch das Ganz lächerlich.”

    - Hierzu gibt es mehrere Punkte, die man sagen kann: 1. Der Konvertite sollte mit sowas überhaupt nicht belästigt werden, sondern sollte erst einmal die Fundamente seiner Religion lernen. 2. Die Erklärung ist ganz simpel: Es gab Gelehrte von besonderer Größe, welche die gesamten Ahadith und Quran Ayat kannten und sie dann nach ihrem Wissen und System beurteilt haben. Ein jeder Gelehrte hat jedoch ein verschiedenes System benutzt für seine Beurteilung. So haben wir z.b. bei der Mathematik gleiche Zahlen: 3 und 5, aber je nach dem, ob man diese addiert, subtrahiert oder multipliziert kommt ein anderes Ergebnis und so ungefähr ist es auch mit den Gelehrten, sie haben ihr System gehabt und kamen auf unterschiedliche Ergebnisse. Diese Ergebnisse sind aber nicht in fundamentalen Bereichen des Islams wie die absoluten Glaubensgrundsätze oder religiösen Ausübungen, sondern nur in Zweigthemen, was denn nun besser sei etc. Die Erklärung dafür ist sehr einfach, sehr leicht verständlich für jeden, der mit offenen Augen durch die Welt geht.

    Ihr beharrt so stark auf diese Madhabs, dass ihr das eigentlich Ziel und den eigentlichen Sinn des Islams komplett vernachlässigt.

    Diese Madhahib stellen eines der Fundamente der Religion dar und “die Madhablosigkeit ist die Brücke zur Religionslosigkeit” und “sie ist die größte Bid’a, welche die islamische Schari’a gefährdet.” Deswegen ist ihre Verteidigung unabdingbar. Das wir den Sinn des Islams und seine Ziele vernachlässigen, das kann nur Allah beurteilen und nicht jemand, der unsere Blogeinträge liest und dadurch denkt, uns vllt zu kennen.

    Natürlich kommt ihr dann mit dem Gelaber: Ihr folt ibn Teymiye, Al-Albani usw. Waren denn das nicht Gelehrte ?

    Ich bitte dich auf einer sittlichen, niveauvollen und freundlichen Art und Weise deine Meinung darzulegen. Mit Beleidigungen werden wir nicht weiter kommen und die Sunnah des Propheten war es nicht, die anderen Menschen zu diffarmieren oder zu beleidigen; auch wenn manchmal harte Worte nötig sind.

    Unsere Worte sind kein Gelaber sondern nur die Zitate der großen Gelehrten, welche die Religion getragen haben.

    Bezüglich Ibn Taymiyyah - er selber war ein Hanbali und seine Fiqh Ansichten sind die der Hanabila, deswegen ist Ibn Taymiyyah nicht jemand, dessen Erwähnung hier unterstützend für deine These ist, sondern eher kontraproduktiv ist.
    Al-Albani, ob das ein Gelehrter war oder eher ein “viel wissender (?) nachforscher”, kann nicht die Gelehrten der Frühzeit außer Kraft setzen und es ist bekannt, dass er keine Befugnis und keine Idschaza besaß für irgendwelche Hadith Beurteilungen.

    Das Hauptproblem von dir Bruder Abu Abdurrahman ist, dass du vergisst, dass weder Ibn Taymiyyah, geschweige denn al-Albani Menschen waren, die auf der Stufe eines Mudschtahid waren - auch wenn Ibn Taymiyyah und vllt al-Albani dies von sich dachten. Die Mudschtahid Mutlaq existieren nicht mehr, sondern höchsten noch Mudschtahid fil Madhab und diese sind nur befugt innerhalb der von ihnen studierten Systematik die Ahadith zu beurteilen und abzuwägen. Die Madhahib haben nicht einfach so aus jucks und laune unterschiedliche Ansichten gehabt, sondern diese waren alle begründet und sind beweisbar.

    Wir nehmen von den Gelehrten, aber nur von denen, die auch den Islam wahrhaftig studiert haben und nicht der Idschma, dem Konsens der Gelehrten, widersprachen.

    Das Gelaber von Madhab, wie du es bezeichnest, dient nicht zur Zerstreuung der Muslime, denn wäre es so, dann wären die Muslime nach dem 4. Jahrhundert der Hidschra nur noch ein zerstreuter Mob gewesen. Die Salafitische Art des Islamverständnisses, ja, diese ist es, die einen jeden Muslim zu einem Mudschtahid ernennt und somit soviele Madhab hervorbringt, wie es Muslime gibt und somit x-tausende Madhahib enstehen und jeder sich dies und jenes auf den Kopf wirft. Es gibt keinen Krieg zwischen den Madhahibs, jeder respektiert und akzeptiert den anderen. Innerhalb der Madhahib gibt es auch stillschweigende Einigkeit. Doch wo ist dies bei den Salafis zu finden? Hier die Madhkalis, da die Takfiris, dann die halben Murdschis, dann die Obertakfiris etc. etc. etc. etc. - und alle zerfleischen sich. Die Madhahib haben Respekt voreinander und man wird selten sehen, dass sich Hanafis untereinander bestreiten, denn die Sachen sind alle klar auf dem Tisch. Die wahre Zerstreuung geschieht durch die Pseudo-Salafis.

    Amin wa fiik,
    wassalam.

  3. 3

    Möge Allah den Brüdern aus Najd die Augen öffnen. Der Videobeitrag bezüglich Ibn Masud r.a. lässt einen kleinen Einblick auf das Wissen von Mujtahid Gelehrten.

    Möge Allah euch für die Bemühungen belohnen.

    Wassalam.

  4. 4

    as-salamu alaykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

    ich halte es für eine übertriebene äusserung, dass “die muslime hier im westen” selber nach ahadith ihre urteile im fiqh fällen.
    im hintergrund gibt es (fast) immer ein urteil eines gelehrten diesbezüglich.
    das wirkliche problem in dieser angelegenheit ist wohl, dass ihr die “brüder aus najd”, (die der bruder mujahid yahya so bemitleidet) nicht als ulama akzeptiert.
    es gibt nunmal die methodik des stärksten beweises und eine große menge an gelehrten die diese methodik anwenden. die gelehrten haben (auch wenn sie vom najd kommen)fiqh studiert und haben durchaus wissen von muhkam, mansukh und anderen umständen und voraussetzungen im fiqh.
    nur haben diese gelehrten es eingeführt, ihren fatawa eine ausführliche beweisführung und auch immer quellenverweise beizufügen. so kann dir also jeder dieser “westlichen jugendlichen” sagen, WARUM er diesem oder jenem urteil folgt.
    dieses wissen findet man bei vielen “östlichen brüdern” eher selten bis garnicht.
    ok…neuerdings wird das auch von den “östlichen brüdern” eingefordert und man sieht hier und da, dass aus diesem grunde einige neuerungen nicht mehr praktiziert werden.

    obwohl ich eure artikel wirklich sehr gerne lese, so scheint ihr es leider nicht zu schaffen diese ohne seitenhiebe gegen uns pöse wahhabiten zu verfassen.
    schade…

    Euer Ibn Rainer

  5. 5

    As-Salamu alaikum,

    akhi, worauf genau willst du hinaus? Ist der Vorteil des Befolgens der Ulama von Najd, dass man ihre Beweise kennt, oder aber, dass ihre Beweise die richtigen und besten sind? Wenn es um ersteres geht, so kann ich dir zustimmen, dass dies etwas schönes ist. Es ist immer gut Wissen zu haben und mit Wissen zu handeln. Wenn es um das Zweite geht, so beginnt die Problematik. Wenn du all dies, was ich weiter unten schreibe, leugnest, so muss ich sagen, dass wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, und du vielleicht daher uns nicht zustimmst. Wenn nicht, so verstehe ich denen Beitrag in keinster Weise.

    Fakt ist, dass heutzutage Jugendliche oft nach der Lektüre von 2-3 Artikeln auf diversen Internetseiten auf der Falschheit von Urteilen der Madhahib pochen und meinen es besser erklären zu können, und sei es auch anhand von Aussagen anderer Gelehrter. Oftmals schon habe ich persönlich erlebt, wie diese Leute (und wenn ich mich nicht irre hatten wir 2 auch schon mal das Vergnügen) im Grunde nicht die geringste Ahnung von dem eigentlichen Urteil und den Beweisen der Madhahib hatten.

    “Die Ulama von Najd” simplifizieren schonmal gerne einen Sachverhalt, wenn es ihnen dienlich ist. Dann spielt es auch keine Rolle, dass Madhab X, welche dem Urteil “der Ulama von Najd” widerspricht, in Wahrheit ganz andere, viele weitere und authentische Beweise hat. Nein, man sagt sie benutzen Hadith Y und der ist Dhaif/Mawdu also ist es falsch.
    Wie oft wurden schon die Schafiis kritisiert für ihr Urteil bezüglich des Berührens einer Frau und Wudu. Wie gerne werden die Malikis kritisiert für einige Ansichten was das Fasten angeht oder die Haltung der Hände im Gebet. Wie gerne werden die Ahnaf kritisiert dafür dass sie Raf al Yadain nur am Anfangstakbir praktizieren. Und alhamdulillah, wer die Wahrheit aufrichtig sucht, der wird schnell erkennen, dass sie alle ihre Beweise haben, die nicht einfach mit einem “ist dhaif”, “sie kannten den Hadith nicht”, oder “das hat der Imam der Madhab niemals selbst gesagt” widerlegt werden können.

    Akhi, jeder kann dem Folgen was er möchte. Die einen folgen gerne den paar Jahrzehnten Gelehrsamkeit der “Ulama von Najd”, die teilweise (oder oftmals) 1000 Jahren Gelehrsamkeit widersprechen, und die anderen folgen lieber diesen 1000 Jahren Gelehrsamkeit der Gelehrten der Ahlu Sunnah, welche praktisch ausnahmslos EINE(!) Madhab hatten. Verstehst du Bruder, uns ist es egal was du für dich aussuchst, wir können dich nicht daran hindern, aber wir haben sehr wohl das Recht, die Ahlu Sunnah und ihre Madhahib zu verteidigen, wenn sie von Kiddies angegriffen werden.
    Auch sollte man bedenken, dass hier das Problem garnicht endet. Wie schön wäre es doch wenn es so wäre! Nein, es endet nicht im Fiqh, nicht im Furu! Das ist nur eine der vielen Einstiege in die eigentliche Gefahr! Wir wissen leider nur zu gut, wo es eigentlich endet. Es endet darin, dass man die Großen der Ahlu Sunnah als Mubtadi bezeichnet. Als Irregegangene Murjia. Als “pöse Jahmis, die den Din von innen zerstören wollen”. Als schlimmere Menschen als die Atheisten. Dort mündet der Weg den du eingeschlagen hast. Eines Tages wirst auch du dich entscheiden müssen, wie alle “pösen Wahabis” irgendwann, ignoriere ich einfach das Problem, dass praktisch alle grossen anerkannten und bekannten Gelehrten der letzten 1000 Jahre “pöse Jahmis” waren, oder bin ich konsequent und bezeuge es auch offen und ehrlich!

  6. Diener vom Rahman
    Sonntag, 21. Februar 2010 2:49
    6

    As salamu alaykum Bruder Yahya Ibn Rainer,
    Es ist nun einmal so, dass hier im Westen viele Muslime sich unterschiedliche Fatawa durchlesen und dann meinen, dass sie der stärksten Fatwa mit den stärksten Beweisen folgen würden. Dies ist allerdings nur ein Wunschgedanke, denn derjenige, der kein fundiertes Wissen in den verschiedenen islamischen Diszpilinen hat, kann eine Fatwa nur mit dem Wissen beurteilen, welches er besitzt. Und dieses Wissens ist nicht selten enorm gering. Im Grunde genommen nimmt er das Wissen von jenem Gelehrten, den er für am wissendsten hält und er vertraut ihm. Dass er die Beweise nicht in ihrer vollkommenen Weise verstehen kann, da er sie nicht mit den anderen Beweisen abwägen kann, macht ihn zwangsweise zu einem “blinden Befolger” wie man hier oftmals negativ sagt, er muss Gelehrten also blind vertrauen. Warum er gerade diesem Neuzeitgelehrten statt den früheren Gelehrten vertraut ist ein anderes Thema.
    Er kann allerdings nicht selber behaupten, dem stärksten Beweis zu folgen, sondern er kann lediglich behaupten, dass er dem Urteil des Gelehrten folgt, den der Gelehrte für am stärksten hält. Und das ist genau das, was die Madhahib auch von sich behaupten. Sie alle sind aufgrund ihrer angewandten Prinzipien (Usul al Fiqh) der Ansicht, dass sie den stärksten Beweis haben. Und es ist Konsens, dass man diesen Gelehrten der Madhahib vertrauen kann und ihnen folgen sollte, da ihr Wissen und ihr System und Usul anerkann sind. Der Muqallid jedoch kann selber nicht behaupten, dem stärksten Beweis zu folgen, weil er das gar nicht einschätzen kann, denn er hat kein Wissen.
    Insofern ist das nichts anderes als reines Wunschdenken, wenn der Unwissende von sich behauptet, dem stärksten Beweis zu folgen. Er folgt einem Gelehrten. Der eine folgt den Gelehrten ab dem Jahre 80 nach Hijra. Und der andere sieht beispielsweise Sheikh Albani als den Meister im Fiqh und Hadith.

    Außerdem:
    Dass ein Alim Beweise anführt, bedeutet noch lange nicht, dass er im Recht ist. Das kann der Unwissende gar nicht beurteilen. Die Gründe habe ich oben genannt. Es erwärmt ihm nur das Herz. Wichtig ist, dass man das Wissen von den anerkannten Gelehrten nimmt, denn Beweise wird dir jede Sekte liefern, und sie werden allesamt aus dem Quran und der Sunnah zitieren. Jedoch werden die Beweise dieser Quellen von den Sekten falsch gedeutet oder verdreht.
    Nicht umsonst sagte ein Sahabi: “Schaue, von wem du dein Wissen nimmst.”

  7. 7

    as-salamu alaykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

    ich glaube das es in der Angelegenheit, bezüglich FIQH, einfach nur ein kommunikatives Problem gibt.
    Die Urteile der 4 Madhahib sind ebenfalls die Grundlage auf der die Gelehrten vom najd ihre Fatawa geben.
    Sicherlich werden oft die Urteile der hanbalitischen Rechtsschule bevorzugt, aber man hat immer auch ein Auge auf die Urteile der anderen 3 Aimma.
    Sheikh al-Albani -rahimahullah- ist in dieser Hinsicht gewiss ein Härtefall, aber er ist ja nicht repräsentativ für alle Gelehrten.
    Es ist bekannt, dass große Shuyukh seiner Zeit (wie ibn Baz oder ibn al-Uthaymin) seine Arbeit bezüglich des Gebetes des Propheten (nach der Methodik der “Authentizität der Überlieferungen”) zwar hoch schätzten, aber ihr eigenes Gebet trotzdem nicht nach seinen Urteilen führten.
    Es ist bekannt, dass Sheikh al-Albani, wenn er mal das Gebet für diese Shuyukh führte, erst vorher fragte, ob er das Gebet so führen soll wie er es nach seiner Methodik hergeleitet hat.

    Der einzige Unterschied zwischen diesen großen Gelehrten und denen die ihr als große Gelehrte bezeichnet, ist die Tatsache, dass man bei euch im Normalfall alle Urteile der gleichen Madhab nehmen muß.
    Diese Meinung wird aber nicht von allen Gelehrten geteilt.
    Ist eben eine Meinungverschiedenheit.

    Aber was Aqida angeht, so möchte ich darüber hier kein Wort verlieren…ist nicht meine Sache.

    Yahya ibn Rainer

  8. 8

    Der einzige Unterschied zwischen diesen großen Gelehrten und denen die ihr als große Gelehrte bezeichnet, ist die Tatsache, dass man bei euch im Normalfall alle Urteile der gleichen Madhab nehmen muß.

    Lies dazu bitte diesen Artikel akhi um mit weiteren Vorurteilen aufzuräumen.

    http://ahlu-sunnah.de/main/artikel/fiqh/277-taqlid-bedingungen-und-sein-rechtsspruch

  9. 9

    jazak´Allahu khairan.

    Die negativen Fallbeispiele in diesem Artikel sind gewiss nicht ausgeschlossen wenn tatsächlich Unwissende selber ihre Urteile aus Ahadith ableiten.
    Aber nochmal ganz deutlich:
    Diejenigen, von denen ihr hier den Eindruck erwecken wollt das sie dieses tun, die nehmen ihre Urteile in Wirklichkeit von richtigen Ulama, welche mindestens einen oder gar mehrere Madhahib studiert haben.
    Der Grund, dass sie sich bei der Begründung (in der Dislussion mit euch) auf die Ahadith als Beweise beziehen, resultiert aus der Tatsache das unsere Ulama uns in ihren Fatawa die Beweise mitliefern und damit die Herleitung der Urteile begründen.

    Wer in Mekka, Madina, Riyad usw Fiqh studiert, der lernt ebenso alle Voraussetzungen, Hinderungen, Abrogationen, Authentizitäten usw wie eure Ulama.

    Diese Auseinandersetzung ist nicht neu und hat vor allem nichts mit “Jugendlichen im Westen” oder “im Osten” zutun.
    Das ist eine Meinungsverschiedenheit.
    Ich kann damit leben.

    Ibn Rainer

  10. 10

    Die Urteile der 4 Madhahib sind ebenfalls die Grundlage auf der die Gelehrten vom najd ihre Fatawa geben.

    Ja und Ibn Hazm, Ibn Taymiyya und Asch-Schawkani nicht vergessen.

    Meiner Meinung nach besteht der wahhabitische Fiqh zum größten Teil aus den Ansichten von Ibn Taymiyya und Ibn Hazm .

    Man sagt: من الحزم ترك مذهب ابن حزم : Zu der aufrichtigen Entschlossenheit gehört die Unterlassung vom Madhhab von Ibn Hazm. Ibn Taymiyya wurde zwischen dem Ende des 14 bis zum 19. weder im Fiqh noch in der Aqida von den Gelehrten berücksichtigt.

    wa allahu a’lam

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