Fälschung/Zensur (I) - Ibn Kathir

Bismillahirrahmanirrahim,

Nahmaduhu wa nusalli ‘ala rasulihil karim,

As-salamu ‘alaykum,

Seit jeher ist es bekannt, dass Sekten, Fanatiker oder eben all jene, welche die Wahrheit nicht ertragen können, Zensur betrieben, Sätze aus dem Kontext rissen oder gar abänderten. Diese Fälschung ist ein Zeichen der Schwäche, ein Zeichen von Angst und mangelhafter Überzeugung in die eigene Sache. Allah allein weiß, welche Absichten dahinter stecken, aber sicherlich keine guten. Früher schon wurden Bücher verfälscht von Neidern und Sekten, wie z.B. die Bücher des Imam al-Scha’rani. Es ist weitaus bekannt, dass Imam al-Scha’rani vor Gericht gebracht wurde aufgrund einiger Inhalte in seinen Büchern, welche als Blasphemie betrachtet wurden. Imam al-Scha’rani nahm seine eigenen Handschriften der Werke mit und legte sie vor Gericht und bewies, dass diese Dinge nicht in seinen Büchern vorhanden sind und von Neidern, deren Namen ihm bekannt waren, hinzugefügt wurden. Doch auch zu Zeiten des Imam Tadschuddin al-Subki verfälschten einige Menschen die Erläuterung des Sahih Muslim des Imam Nawawi, weil sie seine Ansichten nicht teilen konnten. (wie hier erwähnt: http://blog.ahlu-sunnah.de/archives/457).

So ist es auch heute, dass jene, die keinen Halt finden in der Welt der islamischen Gelehrten, versuchen den Anschein zu geben, dass diese ‘Ulama auf ihrer Seite seien. Denn wer hat schon gerne die größten ‘Ulama der Geschichte als seine Gegner und die schwachen/kritisierten/unbekannten an seiner Seite? Und wie könnte man dann von sich behaupten, die größte Gruppe der Umma seit jeher gewesen zu sein und dass alle anderen nur Sekten seien?

Lange Worte, kurzer Sinn: Wir werden inschaAllah in dieser Reihe, die wir “Fälschung/Zensur islamischer Bücher” nennen, verschiedene Fälschungen oder Zensur en auflisten, welche die heutigen bekannten Sekten - insbesondere die Salafiyya, welche von sich behauptet Ahlu Sunnah zu sein - tätigen.

Bi’iznillah.

Verfälschung des Tafsir Ibn Kathir

Wer kennt ihn nicht, den großen ‘Alim Ibn Kathir, dessen Lehrer in seiner Jugend Ibn Taymiyyah war? Und wer weiß nicht, wie stolz die Salafiyya auf ihn sind und wie gerne sie ihn zitieren ohne ihn zu verstehen? Doch wer weiß, dass sie auch seinen Tafsir gerne verfälschen und zensieren? Wohl nur wenige.

Buch: Von Darussalam veröffentlichte “verkürzte” englische Übersetzung des Ibn Kathir, von Sayfurrahman al-Mubarakfuri kontrolliert.

Ebenfalls frei einsehbar auf: www.tafsir.com

Die Übersetzung lautet: >> (und dann erhob (istiwa) Er sich über den Thron) die Leute hatten verschiedene, sich widersprechende Ansichten über die Bedeutung dessen. Letztendlich folgen wir dem Weg unserer rechtschaffenen Vorfahren in diesem Thema, wie Malik, al-Awza’i, al-Thawri, al-Layth bin Sa’d, al-Schafi’i, Ahmad, Ishaq bin Rahwahy and den restlichen Gelehrten des Islams in der Vergangenheit und der Gegenwart. Wahrlich, wir akzeptieren die äußere Bedeutung von Istiwa ohne über seine wahre Essenz/eigentliche Wahrheit zu diskutieren, ohne es gleichzustellen (mit den Eigenschaften der Schöpfung), ohne es zu verändern oder abzulehnen (auf irgendeiner Art und Weise). Wir glauben ebenfalls, dass die Bedeutung, welche denen in den Sinn kommt, die Allah mit der Schöpfung vergleichen, abgelehnt ist - denn nichts gleicht Allah.<<

Das arabische Original

وأما قوله تعالى: { ثُمَّ ٱسْتَوَىٰ عَلَى ٱلْعَرْشِ } فللناس في هذا المقام مقالات كثيرة جداً ليس هذا موضع بسطها، وإنما نسلك في هذا المقام مذهب السلف الصالح مالك والأوزاعي والثوري والليث بن سعد والشافعي وأحمد وإسحاق بن راهويه وغيرهم من أئمة المسلمين قديماً وحديثاً، وهو إمرارها كما جاءت من غير تكييف ولا تشبيه ولا تعطيل، والظاهر المتبادر إلى أذهان المشبهين منفي عن الله، لا يشبهه شيء من خلقه و

{ لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ وَهُوَ ٱلسَّمِيعُ ٱلْبَصِيرُ}

Die Verfälschung/Zensur

Wir nehmen wieder die Übersetzung zur Hand und schauen uns an, was weg geschnitten und was verändert wurde:

>> (und dann erhob (istiwa) Er sich über den Thron) die Leute hatten verschiedene, sich widersprechende Ansichten (…ZENSUR…) über die Bedeutung dessen. Letztendlich folgen wir dem Weg unserer rechtschaffenen Vorfahren in diesem Thema, wie Malik, al-Awza’i, al-Thawri, al-Layth bin Sa’d, al-Schafi’i, Ahmad, Ishaq bin Rahwahy and den restlichen Gelehrten des Islams in der Vergangenheit und der Gegenwart. (…ZENSUR…gefolgt von Fälschung->)Wahrlich, wir akzeptieren die äußere Bedeutung von Istiwa ohne über seine wahre Essenz/eigentliche Wahrheit zu diskutieren, ohne es gleichzustellen (mit den Eigenschaften der Schöpfung), ohne es zu verändern oder abzulehnen (auf irgendeiner Art und Weise). Wir glauben ebenfalls, dass die (…ZENSUR…) Bedeutung, welche denen in den Sinn kommt, die Allah mit der Schöpfung vergleichen, abgelehnt ist - denn nichts gleicht Allah.<<

Eine genaue Übersetzung

„…Leute haben viele Ansichten in dieser Angelegenheit und dies ist nicht der Platz diese Ansichten alle zu präsentieren. In diesem Punkt folgen wir den früheren Muslimen (salaf) – Malik, Awza’i, Thawri, al-Layth ibn Sa’d, Schafi’i, Ahmad, Ishaq ibn Rahawayh und den anderen Imamen der Muslime, damaligen und heutigen – nämlich den Vers so zu lassen wie er kam, ohne ein Wie (bi la takyif), ohne es mit der Schöpfung gleichzusetzen (wa la taschbih) und ohne es zu leugnen [nullifizieren] (wa la ta’til). Die wörtliche Bedeutung (dhahir), welche in die Köpfe der Muschabbihin kommt, ist in Bezug auf Allah verworfen, denn nichts erschaffenes ist ihm ähnlich: „Es gibt nichts was ihm ähnelt und er ist der Allhörende, der Allsehende.“

Nun sieht man also die Verfälschung, die mit reinster Absicht geschehen kann - hier kann man nicht mehr von einem Übersetzungsfehler reden! Und wer außer jenen, die etwas zu verstecken haben oder die sich vor der Wahrheit fürchten, tun solche Dinge? Der intelligente, gottesfürchtige, einsichtige und verständnisvolle Mensch wird verstehen, was für eine üble Schandtat dies ist!

Autor: Revan
Datum: Samstag, 16. Januar 2010 20:04
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: 'Aqidah, Verfälschung klassischer Texte

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4 Kommentare

  1. 1

    Assalamu aleykum,
    hier eine Frage zu stellen, in diesem Bereich ist eher unpassend. Aber trotzdem möchte ich sie stellen insha`ALLAH. Und inshaALLAH gibt es hier jemanden der mir dieese Frag beantworten kann.Also ich verstehe etwas nicht, es geht um das Witr Gebet. Da es nach Ebu Hanifa Wajib, wurde mir gesagt, muss ich die Witr gebente nachholen, sollte ich das nicht tun, dann wird es mir als Sünde verzeichnet. Was ich daran nicht verstehe ist, wie kann es eine Sünde sein, wenn es doch kein Farz ist. Denn sonst würde es ja Farz heißen und nicht Wajib.Nicht das ich das abstreite, sondern nur das ich es nicht verstehe. Vielleicht kann mir das jemand erklären, so das ich es inshaALLAH verstehe und den “aha” Effekt bekomme inshaALLAH

    salamu aleykum

  2. 2

    Salam alaikum,

    Im arabischen Orginial, wird von 3 Punkten geredet, die man in diesem Zusammenhang nicht tun darf.

    Im Englischen sind es 4 Punkte? Im Englischen ist der Punkt “altering” noch vorhanden, der woll für Tawil oder Tahrif stehen soll…
    Dieses Punkt kann ich im arabischen Orginal nicht finden.

    Hab ich was missverstanden oder ist da noch eine betrügerische Ergänzung gemacht worden???

    Über aufklärende Antwort bin ich dankbar.

    Möge Allah uns rechtleiten. Amin

    Salam alaikum

  3. 3

    as-Salamu ‘alaykum,

    Eigentlich wollte ich diese Frage per Email beantworten, da sie nichts mit dem Thema zutun hat und man uns auch über schura@ahlu-sunnah.de die Frage stellen konnte, aber da sich der Bruder/die Schwester in einem anderen Beitrag darüber aufgeregt hat, will ich doch antworten.

    Bruder, deine Frage wurde nicht übersehen oder dergleichen, sondern wie ich auch Muslim schon schrieb, versuchen wir Kommentare mit Fragen gleich mit der Antwort auf sie zu veröffentlichen. Nun dann, deine Frage bezieht sich auf die Definition von Wadschib und Fardh. Die Hanafis haben einen klaren Unterschied zwischen Wadschib und Fardh gemacht, indem sie sagten, dass zwar beides eigentlich ein und dasselbe ist, aber dass bei der Ablehnung eines Fardh der Mensch Kafir wird und bei der Ablehnung eines Wadschib der Mensch kein Kafir wird, sondern ein Fasiq. Bei der Mehrheit der nicht-hanafitischen Gelehrten ist Wadschib=Fardh und Fardh=Wadschib. Fardh ist nach Hanafis etwas, dass mit einem absoluten/eindeutigen Beweis bewiesen wurde (also Beweise, die nur eine Bedeutung haben können). Wadschib ist das, was durch mehrdeutige/vermutungen offen lassende Beweise bewiesen wurde (also Beweise, die mehr als eine Bedeutung haben könnten).

    Das ist eine ganz kurze Zusammenfassung der Thematik. Die Nichteinhaltung von Wadschib ist genauso wie die Vermeidung von Fardh, wenn auch nur ein wenig schwächer. Man begeht durch ihre Vermeidung eine Sünde.

    Ich hoffe nun, dass die Sache klar geworden ist.

    As-Salamu ‘alaykum

  4. 4

    Zu der Frage von “Ich” vom 16.01.2010:

    As-salamu alaikum wa rahmatullah
    Bismillahi r-Rahmani r-Rahim

    Die Beantwortung der Frage ergibt sich aus der Definition der Rechtsnormen in der hanafitischen Rechtsschule, die eine Unterscheidung zwischen Fard und Wajib vornimmt, während diese Begriffe in den anderen Rechtsschulen in der Regel als Synonyme verwendet werden. In Al-Miftāḥ –Scharḥ Nūr al-Īḍāh, einem Standardwerk der hanafitischen Rechtsschule, heißt es:

    1. „Pflicht“ (Farḍ, d.h. das obligatorisch Vorgeschriebene)
    Farḍ ist, was verpflichtendermaßen auf Grund eines eindeutigen und unveränderbaren (qaṭ‘ī) Hinweises aus dem Qur’ān oder aus in nebeneinanderlaufenden Ketten überlieferter (mutawātir) authentischer Sunna als verbindlich feststeht.

    Norm: Farḍ ist erforderlich in der Überzeugung und der praktischen Anwendung; wer es verleugnet, ist damit zum Ungläubigen geworden. Wer es ausführt, wird dafür belohnt, und wer es nicht anwendet, verdient Bestrafung und ist ein Frevler.

    2. „Notwendig“ (Wājib)
    Wājib ist, was notwendigerweise, auf Grund eines nicht eindeutigen und unveränderbaren (ẓannī) Hinweises aus dem Qur’ān oder aus in nicht nebeneinanderlaufenden sondern nur in einzelnen Ketten überlieferter (āḥād) authentischer Sunna, als verbindlich feststeht, wie z. B. das Gebet zu den beiden Festen (ṣalāt al-‘īdain) oder die Rezitation der Sūrat al-Fātiḥa im Gebet (ṣalāt).

    Norm: Wājib ist erforderlich nur in der praktischen Anwendung, nicht auch in der Überzeugung; wer es verleugnet, ist damit nicht zum Ungläubigen geworden. Wer es ausführt, wird dafür belohnt, und wer es nicht anwendet, verdient Bestrafung, jedoch eine geringere als diejenige bei der Unterlassung von Farḍ.

    Siehe hierzu: http://www.naqshbandi.de/Hanafi_Rechtsnormen.pdf

    Was-salam,

    Abd al-Hafidh

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