Ibn Taymiyyah über Fana
Im 2. Band des „Madschmu’a Fatawi Ibn Taymiyya”, Dar ar-Rahmah, Kairo (S. 396-397) schreibt Imam Ibn Taymiyya über „Fana” (Im Sufismus auch bekannt als „die Vernichtung” [des Egos]):
„Dieser Zustand der Liebe ist der Zustand vieler Leute, die Aufgrund der Liebe zu Allah Azza wa Dschalla bekannt sind. Sie sind die Leute der Liebe Allahs und die Leute des Willen (al-irada) Allahs. Er (dieser Zustand) ist typisch für die Leute, die Allah lieben und ihn suchen, weil diese Person (im Zustand des „Fana” seins) aufgegangen (verschwunden, ausgelöscht) ist in seinem Geliebten, in Allah Azza wa Dschalla, durch die Intensität der Liebe, weil er aufgegangen ist in Allahs Liebe und nicht in der Liebe seines Egos. So wird er Allah gedenken ohne sich selbst zu gedenken, er wird sich an Allah erinnern und sich selbst vergessen, sich Allah vorstellen (yastaschhid) ohne sich selbst zu sehen und in Allah existieren und nicht in seiner selbst. Wenn er diesen Zustand erreicht; wird er sagen „Ana al-Haqq” (Ich bin die absolute Wahrheit) oder „Subhanii” (Lob sei mir) und er wird sagen „maa fil dschubba ill-Allah” (in diesem Mantel ist nichts außer Allah), weil er betäubt (betrunken) ist in der Liebe Allahs und dies ist eine Freunde und Glückseeligkeit, die er nicht mehr kontrollieren kann.”
Weiterhin sagt Ibn Taymiyyah:
„Dieses Thema beinhaltet Haqq und Batil (Wahrheit und Unwahrheit). Aber wenn jemand einen Zustand erreicht, mit eifriger intensiver Liebe (ischq) zu Allah, wird er einen Zustand von Zerstreutheit betreten und wenn er diesen Zustand betritt, wird er das Gefühl haben, dass er einen Zustand der „Einheit” (ittidhad) erreicht hat. Ich halte dies für keine Sünde. Weil diese Person entschuldigt ist und keiner darf ihn dafür bestrafen, weil er sich nicht bewusst ist, was er tut. Denn die Feder verdammt nicht die Verrückten, ausser wenn sie wieder bei Sinnen sind. Und wenn man in diesem Zustand ist, und etwas falsches gesagt (oder getan) hat, so ist er von Allah erwähnt: Rabbana laa tu’akhidhna in-nasina aw akhta’na”, „Unser Herr, mache uns nicht zum Vorwurf, wenn wir (etwas) vergessen oder Fehler begehen.”[2:286]
Und Allah sagt in einem anderen Vers: „wa laa dschunaaha ‘alaykum fimaa akhtaatum bihi.”
„Keine Schuld ist auf euch, wenn ihr unabsichtlich einen Fehler macht.”
Auf Seite 339 schreibt Ibn Taymiyya:
„Es gibt eine Geschichte von zwei Männern, die sehr respektvoll miteinander waren und einander sehr liebten. Einer der beiden fiel ins Wasser (das Meer) und sofort sprang der Andere hinterher. Daraufhin sagte der Erste (der bereits unterging): „Warum hast du dich hinterher geworfen?” Worauf der Andere antwortete: „Ich ging in dir auf und als ich in dir aufging, dachte ich, du wärst ich und ich wäre du.”
Ibn Taymiyya schreibt weiter:
„Solange es nicht durch etwas Verbotenes ist, ist es in Ordnung, aber wenn es etwas Verbotenes (gemeint ist eine böse Absicht) wäre , dann gäbe es keine Entschuldigung. Und deswegen ist es so, dass viele der Awliya , wie Abdul Qadir Dscheylani eine Entschuldigung haben, denn sie waren im Zustand der Liebe (ischq).”
Das Thema wird recht detailliert in einem Kapitel behandelt, dass von Seite 337 bis 343 geht. Und es heisst: „al-fana alladhi yudschad fi kalam-sufiyya yuffassar bi thalathat umur” (Das Wort “Fana” [Vernichtung] im Sufismus auf 3 Arten erklärt)
In einem anderen Werk, nämlich in seinem Werk ‚al-Ubudiyyah’ sagt er:
[...] Ein Beispiel für dies ist das Konzept des Fana. Fana ist in 3 Arten aufgeteilt:
1. Das Fana der Propheten (a.s) und der Awliya die die Perfektion erlangten.
2. Das Fana der Awliya und Salih Personen die auf dem richtigen Weg gehen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind.
3. Das Fana der Munafiqin und Ketzer, die Allah mit seiner Schöpfung vergleichen.
Das erste Typ des Fana bedeutet das Auslöschen der Gelüste für alles außer Allah, dermaßen, dass eine Person niemanden oder nichts liebt außer Allah, er betet nichts an außer ihm, das er sich auf niemanden verlässt außer Allah und das er von niemanden bittet außer Ihm. Dies ist der Sinn den man aus den Wörtern von Scheich Abu Yazid [al-Bistami] (rahimahullah):
„Ich will nichts wollen außer was Er will, was nur dem einen Geliebten [d.h Allah] gefällt.”
verstehen sollte. Dies ist was gemeint wird mit dem Religiösen Willen von Allah. Perfektion bedeutet das ein Mann nichts will, liebt oder mag außer was Allah will, liebt und mag, welches ist das was er Befohlen hat und Wadschib und Mustahab machte. Er liebt nur die die Allah liebt, so wie die Engel, Propheten und Salih Personen. Dies ist was mit der Aya:
„Sondern nur der (gerettet wird), der mit reinem Herzen zu Allah kommt.” [Al-Shuara, 26:89]
gemeint ist. Sie sagen: Es ist sicher und errettet von allem außer ein Sklave Allah´s zu sein, oder alles außer was zu wollen was Allah will, oder alles außer Allah zu lieben. Die Bedeutung ist der gleiche und egal ob es Fana genannt wird oder nicht, es ist der Beginn und Ende des Islams, das Fokus der Vollkommenen Religion. [Ende des Zitats]
Nun soll man vergleichen was die heißblütigen Verfechter von Ibn Taymiyyah über Fana denken. Bilal Phillips schreibt in seinem Buch Tawhid abartige Dinge über Fana und vergleicht es mit dem Hinduismus etc. War also für ihn auch Ibn Taymiyyah ein Anhänger von Hinduistischen Praktiken oder Glaubensinhalten?
Nein! Fanafillah bedeutet nichts anderes, als dass der gesamte Wille des Menschen sich auflöst und nichts mehr außer dem Willen von Allah bleibt und jegliche Existenz außerhalb Allahs nicht mehr wahrgenommen wird. Das man vollkommen eins wird mit dem, was der Wille von Allah ist. Ibn Taymiyyah beschreibt diesen Zustand wahrhaftig wunderschön und ist im absoluten Einklang mit dem, was Ahlu Tasawwuf sagt.
Möge Allah uns zu den Einsichtigen gehören lassen!
Montag, 1. Juni 2009 22:59
masaAllahu ta´ala, akhi Allah soll uns im diesseits mit taqwa und reinheit belohnen und den islam so leben lassen, dass wir zu Ahlu Tasawwuf gehören.. insaAllaah
Freitag, 18. September 2009 0:50
jeder der imam ibn taimiya´s werke liest, mit der niya wissen zu erlangen, wird die größe dieses gelehrten erkennen. wer allerdings selektiv vorgeht und seine werke nur nutzt um andere zu widerlegen oder bloßzustellen, der wird nur einen verriss wahrnehmen und entlarvt sich gleichzeitig als arme seele, die den islam ausschließlich in sufis und salafis kategorisiert.
imam ibn taimiya -rahimahullah- war ein wahrer diener Allahs. ein wahrer sufi und ein wahrer salafi.
yahya
Montag, 21. September 2009 21:12
As Selamu Aleykum.
Ibn Taymiyya hat den Islam wertvolle Dienste erwiesen. Wer auch immer es sein mag – man muss auch das Gute von jenen anerkennen die aufrichtig für diesen Din gearbeitet haben. Wir haben kein Recht dazu jeden die einen Fehler machen aus dem Raum zu werfen. Das ist auch nicht richtig. Wir sind dazu verpflichtet hier Maßvoll zu sein und die Fähigkeit zu besitzen das Gute vom Schlechten zu unterscheiden.
Auch wenn wir jetzt nur Imam Ibn Hadscher al-Asqalani als Beispiel nehmen würden – so gibt es ausser ihm weitere Ulama die Ibn Taymiyya`s Ansichten zum Ziel der Kritik machten. Zusätzlich jedoch hielten sie sich nicht zurück auch seine überragenden Eigenschaften und positiven Seiten zum Ausdruck zu bringen.
Der zur Schafii Madhab angehörige, als „Ibn Nasiriddin“ bekannte Muhammad ibn Abu Bakr ad-Dimaschqi erwähnte in seinem Werk “Reddu’l-Wafir” sowohl zeitgenössische Ulama von Ibn Taymiyya als auch jene die nach ihm kamen. In der Zahl 87. Darunter befinden sich auch Gegner von Ibn Taymiyya. Gegner die sogar eine Zurückweisung [Redd] an Ibn Taymiyya geschrieben hatten lobten sein Wissen, Dschihad, seine Tugendhaftigkeit und sein hevorragendes Gedächtniss.
Ibn Taymiyya war in der Tat ein Alim der jedoch große Fehler begangen hat – mit eingeschlossen sind die Themen in der Aqidah. Die Menschen über seine Fehler aufzuklären und in dieser Hinsicht davor zu warnen ihn dabei zu folgen sind für die alle Beteiligten definitiv eine Plicht. Mit der nötigen Vorsicht dementsprechend nicht gehandelt zu haben mag dies der Grund sein weswegen es überhaupt soweit gekommen ist das unter den Leuten die sich als Anhänger Ibn Taymiyya`s sehen auch einige andere aufgetaucht sind die sogar Ibn Taymiyya selbst bei Seite geschoben haben und die Umma vom wahren Weg abbringen - ja sogar über alle Maßen hinweg auf die Umma Takfir ausprechen was Ibn Taymiyya in keinster Weise akzeptiert hätte.
Das Muhammad Zahid al-Kawthari ein scharfer Gegner von Ibn Taymiyya war ist jeden bekannt. In fast jedem seiner Werke ist es möglich scharfe Kritik an Ibn Taymiyya oder auch Ibn-i Qayyim zu finden. Dennoch selbst er – z.B in seinem Makalat – bei Themen die er vornimmt und seine Sicht erläutert ist Ibn-i Taymiyya auch unter den referierten Ulama und wenn es nötig wurde er nicht unterlassen hat auch lange Zitate von Ibn Taymiyya [als Referenz] anzuführen. Um dies jetzt nicht in die länge zu ziehen werde ich keine Beispiele erwähnen.
Diejenigen die nicht unterscheiden können was richtig und falsch ist von dem was Ibn Taymiyya geschrieben hat und sich nicht sicher sind was davon einem nützt oder eher schadet sollten sich ganz von Ibn Taymiyya`s Werken fernhalten. Ich sehe keinen Bedenken darin wenn jene die fähig sind von seinen Werken das nützliche von den schädlichen auszufiltern um davon zu profitieren.
Kurz gesagt: Das die Streitereien um Ibn Taymiyya die in unserer Zeit stattfinden für uns alle nicht gewinnbringend ist, ist offensichtlich. Wenn diese Streitereien noch am Leben erhalten werden ist das einzige was passiert der Verlust unserer Energie. Von ihm und noch von anderen die im Fokus der Streitereien sind – können wir – wenn unser Wissen dazu ausreicht, lernen und Nutzen draus ziehen. Wenn unser Wissen dazu nicht ausreicht dann sollten wir sie mit ihren Schöpfer alleine lassen.
Bei Rückfragen stehen wir euch jederzeit gerne zu Verfügung.
E.Dānā
Ahlu-Sunnah Schura
Dienstag, 22. September 2009 13:11
wa alaykum as-salam wa rahmatullah,
wir sind alle nur menschen, auch die vergangenen aimma und ulama, und wir machen alle fehler. was ihr jedoch als “große fehler in der aqida” bezeichnet, resultiert wohl alleinig aus eurer strikten ablehnung der atharitischen aqida-schule und ihren ausschluß aus der ahlus-sunnah. ich sehe hier im übrigen eine paralelle zwischen vielen sufis und salafis.
die salafis machen takfir über ibn arabi wegen seinen ketzerischen äußerungen. die sufis jedoch verteidigen ihn und meinen das seine texte nur nicht richtig verstanden werden.
andersherum verhält es sich mit äußerungen von ibn taymiyya und anderen zeitgenössischen ulama mit der atharitischen aqida. ihre äußerungen werden von vielen sufis einfach nur mißverständen…meiner ansicht nach oft sogar mutwillig.
ich bin allerdings sehr erfreut darüber das ihr eure grundsätzliche ablehnung gegenüber dem imam ibn taymiyya abgelegt habt (das war ja mal anders).
wahrscheinlich seid ihr (wie auch ich) sehr überrscht über seine äußerungen zum (authentischen) tasawwuf.
der friede sei mit euch
euer yahya
p.s.: meine homepage befasst sich weder inhaltlich mit aqida, noch mit fiqh. mehrheitlich findet man sogar eher themen die man mit tazkiya (oder gar tasawwuf) in verbindung bringen könnte. wieso wird die verlinkung meiner seite von euch editiert?
die leute sollen doch wissen wer sich hier mit euren artikeln auseinandersetzt.
Freitag, 30. Oktober 2009 0:45
>>“große fehler in der aqida” bezeichnet, resultiert wohl alleinig aus eurer strikten ablehnung der atharitischen aqida-schule und ihren ausschluß aus der ahlus-sunnah.< <
As-Salamu 'Alaykum,
Sehr geehrter Bruder Yahya, erst einmal bitte ich um Verzeihung für die späte Freischaltung deines Kommentars. Wir waren lange nicht aktiv im Internet oder auf diesen Seiten.
Die Atharitische Aqidah Schule, wie sie von einigen bezeichnet wird, ist eine Denkschule/Aqidah Schule, welche den Tafwid fi Ma'ana vollständig zu eigen macht und sich vom Ta'wil fernhält.
Pseudo-Atharis - wie sie genannt werden -, nämlich Salafis, Wahabis oder wie man sie nennen möge, lehnen Tafwid fi Ma'ana ab und sind verfechter von Tafwid fi Kay, was die Karamiyya und Muschabbiha [man lese nur mal Bücher über verschiedene Sekten] ebenfalls waren.
Wenn jemand allein Tafwid fi Ma'ana macht - was ja auch ein fester Bestandteil der ascharitischen/maturiditischen Aqidah ist - und sich vom Ta'wil fernhält, dann kann er dies gerne tun und niemand wird was gegen ihn haben.
Wir lehnen die wahren Atharis nicht ab - wie denn auch? "Atharismus" ist auch in den Fundamenten der Aschariis und Maturidis enthalten.
>>andersherum verhält es sich mit äußerungen von ibn taymiyya und anderen zeitgenössischen ulama mit der atharitischen aqida. < <
Atharische Aqidah ist wie beschrieben Tafwid fi Ma'ana, nicht Tafwid fi Kayf oder irgendeine andere Art von "Reden über Mutaschabihat" - Atharis schweigen über Mutaschabihat und machen sie nicht zum Streitthema, da sie darüber nicht reden.
>>ich bin allerdings sehr erfreut darüber das ihr eure grundsätzliche ablehnung gegenüber dem imam ibn taymiyya abgelegt habt (das war ja mal anders).
wahrscheinlich seid ihr (wie auch ich) sehr überrscht über seine äußerungen zum (authentischen) tasawwuf.< <
Unsere Ablehnung gegenüber Ibn Taymiyyah war niemals stark ausgeprägt - jedenfalls bei den "Gründern" der Seite. Wir wissen seine Werke in einigen Dingen zu schätzen, so wie wir auch Zamakhschahris Werke zu schätzen wissen, der ein Mutazili war.
Unsere Haltung hat sich nicht geändert zu Ibn Taymiyyah, da uns seine positiven Aussagen schon seit jeher bekannt sind. Der Artikel hier wurde schon in der Anfangszeit des damaligen Forums veröffentlicht.
Ja, es dreht sich sowieso nur um den authentischen Tasawwuf und um nichts anderes.
>>p.s.: meine homepage befasst sich weder inhaltlich mit aqida, noch mit fiqh. mehrheitlich findet man sogar eher themen die man mit tazkiya (oder gar tasawwuf) in verbindung bringen könnte. wieso wird die verlinkung meiner seite von euch editiert?<<
Hm…Ich habe noch nie gesehen wie du auf deine Webseite verlinkt hast, doch vielleicht waren das andere Moderatoren und vielleicht wurde es wirklich editiert, weil du vermutlich (ich weiß es nicht) Links auf salafitische Seiten hast.
As-Salamu ‘Alaykum